Drachenschwert, Klangschalenmassage, Zeitungsausschnitt, Glitzereinhorn, Rentnerteich.

»Vermutlich sucht er eine Postition aus der er der Mutti unter den Rock schauen kann …«, überlegte Eselkeks laut.

»Dafür muss er sich nicht hinlegen«, bemerkte Cimaron. Nach einem Seitenblick zu mir räusperte er sich. »Ich meine, garantiert repariert er nur was.« Er klang ungefähr so überzeugend wie ein Kampfhundeführer, der versichert der wolle nur spielen.

»Klar. Das ist ein fünfzig Jahre altes Wohnmobil. Es hat sich seit zwanzig Jahren nicht bewegt und wird vermutlich nur noch eine Reise in seinem Leben antreten: Die zur Schrottpresse. Wer dieses Fossil nochmal flottkriegen will, braucht mindestens ein DRACHENSCHWERT …« Oder einen Abschleppwagen.

Spanisches Gemurmel drang von unter dem Anhänger hervor. Warum hörte sich das alles nur so samtig an? Man konnte nicht einmal wissen, ob er der Karre gerade seine unsterbliche Liebe erklärte oder sie aufs Übelste beschimpfte.

»Offensichtlich versucht er es mit zweifelhaftem Charme zu becircen, nochmal anzuspringen …«, vermutete Eselkeks. In seiner Abneigung gegen Pablo war er mir deutlich weniger unsympathisch als zuvor. Zweifelhafter Charme! Das konnte er laut sagen.

»Es ist aber ein Zugobjekt«, klugscheißerte Cimi drauflos, dem mein wohlwollendes Nicken zu seinem Engelerzfeind nicht entgangen war. »Ohne Motor. Es kann nicht anspringen.«

»Genau! Zurück zu meiner Frage, was in aller Welt tut er da unten?«

»Konntest du etwas entdecken?«, fragte meine Mutter. Bislang hatte ich es vermieden, sie näher anzusehen. Ich befürchtete, mich auf allen sieben Ebenen nie wieder von dem Anblick erholen zu können, selbst wenn Cimi all seine himmlischen Verführungskünste auspackte. Und als ich es doch tat, war es furchtbar: Sie lehnte die Hüfte an den klapprigen Wohnwagen, die rotgeschminkten Lippen geschürzt und zupfte an ihrem Hauch von Nachthemd herum, als ob das nicht durchsichtig genug wäre. Himmelherrgott, ich konnte ihre Brustwarzen sehen!

»No, Senora. Da ist keine Ratte.«

»Oh! Ich sehe da eine! Eine ziemlich fette sogar!«, spie ich aus.

»Dann komm raus, ich war gerade dabei, eine KLANGSCHALENMASSAGE vorzubereiten …«

Cimi sah zwischen meiner Mutter und Pablos Hosenbeinen mit zusammengekniffenen Augen hin und her. »Du spürst es auch, oder?«, fragte er Eselkeks, der anstelle einer Antwort verschmitzt zwinkerte.

Ich spürte auch etwas. Es fing mit »Brech« an und hörte mit »Reiz« auf. Cimis Beteuerungen, dass dies unmöglich sei, konnte er sich sonst wohin stecken. Schwindlig vor Übelkeit lehnte ich mich unabsichtlich an Cimi, der sofort seinen Tentakelarm um mich wickelte.

»Keine Sorge, Elfi. Die beiden spielen verdammt falsch.«

»Das habe ich auch schon bemerkt«, flüsterte ich kraftlos.

»Tatsächlich?« Er musterte mich. »Erstaunlich. Du machst Fortschritte.«

»Na, wer hätte gedacht, dass mein Ex-Freund nicht nur meine Ex-beste-Freundin sondern auch noch meine Ex-Mutter verführt. Falscher gehts wohl nicht.«

Cimis Mundwinkel zuckte. Eselkeks war nicht so höflich und lachte mich offen aus. »Sie ist halt doch nur ein Mensch«, sagte er zu Cimi. Und er war nur ein Ekelkeks.

»Deine Mutter hat dieses ganze Theater gar nicht nötig und … sie ist nicht erregt«, erklärte Cimi wie selbstverständlich.

»Hä?«

Ekelkeks tippte auf seine Nasenspitze. »Keine Pheromone in der Luft. Sie hat ungefähr so viel Lust diesen Gigolo mit Öl einzureiben, wie du mir ein Schnitzel braten möchtest …«

»Öh …«

»Er weiß, dass du Vegetarier bist«, erinnerte Cimi mich.

»Ich bin verwirrt.«

»Nichts Neues«, kommentierte Ekelkeks trocken.

Pablo stand in dem Moment auf und klopfte sich den Staub von der Hose. Er warf meiner Mutter einen ziemlich eindeutigen Blick zu. Vielleicht (hoffentlich!) hatten die beiden Recht, was meine Mutter betraf, aber bei ihm …

»Vielleicht können wir uns dabei ein wenig ungezwungen über diesen ZEITUNGSAUSSCHNITT unterhalten«, schlug meine Mutter vor und neigte sich ihm ein wenig entgegen.

»Claro Senora«, sagte er schmeichelnd.

Und plötzlich fiel es mir auf. Wie gezielt er sein Spanisch einsetzte. Nicht, weil es seine Muttersprache war, Pablo sprach genauso gut deutsch wie ich. Er nutzte seine Latinlovervibes, wenn er etwas erreichen wollte. »Dieser Schleimscheißer!«, zischte ich. »Ich hoffe, meine Mutter verpasst ihm eine mit ihren bronzenen Klangschalen in die Klöten!«

Cimi lachte. »Und Zack hat sich das GLITZEREINHORN selbst entthront und wurde zum eunuchären Mollusken.«

»Das freut dich etwas zu sehr, Bruder.« Eselkeks spitzte die Lippen. »Pass besser auf.«

»Keine Sorge, Eselkeks.« Ich tätschelte dem blonden Engel die Schulter. »Cimi angelt ausschließlich im RENTNERTEICH. Ein junger Fisch wie ich interessiert ihn doch gar nicht.«

Sowohl Cimaron als auch Eselkeks starrten mich so verwundert an und ich suhlte mich derart in dem Gefühl der Überlegenheit, dass wir alle drei den filmreifen Abgang des Schummelpaares verpassten.

10 Kommentare

  1. Hach toll, mein Wort ist Naturkautschukschnuller ? endlich bin ich dazu gekommen mich auf den neuesten stand zu bringen… ich vermute Elfis Mutter vermutet etwas?

    • DU BÖSE!!! Naturkautschukschnuller? HA! Du denkst, so kriegst du mich, aber ich bring den unter, warts nur ab ;D ;D Wort Nr 1.

  2. Ich bin auch schon gespannt, wo uns die Reise noch hin führt.
    Auf jeden Fall macht es Spaß sich Wörter auszudenken.

    Ich schlag Leseflaute vor ?

  3. Ich muss immer lachen wenn ich Elfi, Cimi und Ekelkeks folge … das ist soo super 🙂

    Dann mal mein Wort: Haarwurzelanalyse 😉

  4. Ach wie mega xD ich bin nun auch so weit dass ich es geschafft habe wieder zu lesen! Ich muss so grinsen!!

    Ich schenke dir auch ein Wort… Ist aber Grad eher schwierig da in meinem Kopf nicht mehr viel sinnvolles rauskommt… Aber ich schenke mal das Wort: Nasenflötenübungsstunde hihi

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