Eine kleine Anmerkung, bevor es losgeht: Dies ist die vorerst letzte Episode. Sie ist bisher unveröffentlicht. Wenn ihr wollt, dass es weitergeht, füttert mich mit 5 (!) Begriffen. Bitte hier in den Kommentaren, nicht auf FB. Und nun genießt den Flug!

Eisregen, Kinderlied, Serviettenring, Wohnmobilanhänger, Kleberschnüffler.

Als hätte das Wetter einen Sensor für meine Stimmung, brach ein EISREGEN aus. Ich war zu perplex, um mich wie die beiden Engel an meiner Seite vor dem Wasser zu schützen und sah innerhalb von Sekunden aus, wie eine ersoffene Ratte.

Obwohl Eselkeks nicht nass wurde, drängte er darauf, zum Haus hinunterzufliegen, aber Cimaron zögerte.

»Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist.«

»Besser als sie absaufen zu lassen … Ich dachte, dir läge etwas an ihr? Ansonsten kannst du sie auch gleich in der nächstbesten Pfütze entsorgen«, schlug Ekelkeks vor.

»Was will Pablo hier?«, fragte ich. Meine Stimmbänder wussten anscheinend nicht, dass ich tot war, und präsentierten die heiserste Ankündigung einer Erkältung.

»Es gibt eine einfache Methode, das herauszufinden, Elfriede.«

Ekelkeks spöttische Erwähnung meines Geburtsnamens rüttelte mich etwas auf.

»Hör mal, du Flatteraffe, ich geb dir gleich Elfriede …«

Ekelkeks warf Cimaron einen fragenden Blick zu. »Sie redet wirr, aber irgendwie ist das sexy, wenn sie versucht bedrohlich zu sein. Wir ein zorniges Bambi. Ein nasses, zorn–«

»Friede!«, rief Cimaron dazwischen.

»Elf!«, korrigierte Ekelkeks. »Elf-Friede. Wie lustig. Kommt das von elf Mal Frieden oder von Elfenfriede? Oder gar von Friedhof? Elfenfriedhof … uahhh… gruselig!« Er schauderte übertrieben und rieb sich die Arme.

»Engelfriedhof, wenn du nicht gleich die Klappe hälst! Ich will wissen, was Pablo bei meiner Mutter zu schaffen hat.«

»Na, bestimmt singt er ihr keine KINDERLIEDER vor.« Ekelkeks’ Grinsen war zum Kotzen. Dabei hatte auch ich bemerkt, wie im Schlafzimmer meiner Mutter das Licht erst an und dann ausgegangen war, nachdem Pablo im Haus verschwunden war. Natürlich gab es dafür eine vollkommen logische Erklärung. Dummerweise fiel mir gerade überhaupt keine ein.

»Willst du da reingehen?«, raunte Cimaron mir zu.

Nein! Wollte ich nicht. Aber wie sollte ich das erklären? Ich hatte die ganze Zeit felsenfest behauptet, meinen Mord aufklären zu wollen, und gerade spielte sich vermutlich eine entscheidende Sache im Inneren meines Elternhauses ab. Ich biss die Zähne zusammen und nickte.

Cimaron seufzte und wickelte seine Arme fester um mich. »Dann los, bevor du noch einen Schnupfen kriegst.« Er lächelte über meinen bösen Blick einfach hinweg und flog mich durch die Eingangstür. Ich war dankbar, dass er nicht die Schlafzimmerwand genommen hatte, so bleib mir das Schlimmste wenigstens noch einen Moment erspart. Nein! Neinneinnein … da war ja gar niemand im Schlafzimmer. Bestimmt stand meine Mutter – völlig verwirrt, was der Ex-Freund ihrer Tochter um diese nachtschlafende Zeit hier wollte – mitten im Wohnzimmer. Ich konnte ihren Blümchenbademantel und das Glas heißer Milch, das sie Pablo ungefragt in die Hand drücken würde, beinahe vor mir sehen.

Ekelkeks verschwand in der Küche. Zielstrebig zum Futter – das musste eine Engeleigenschaft sein. Eilig befreite ich mich aus Cimis Klammergriff und hastete Ekelkeks hinterher. Wer wusste, was er mit unserem guten Cerankochfeld anstellte.

Als erstes fiel mein Blick auf den Whiskey, der seit Jahren verschlossen auf dem Schrank vor sich hingegammelt hatte. Sein Schraubverschluss lag auf dem Boden und der spärliche Rest seines Inhalts dünstete einen scharfen Geruch aus. Na gut, dann hatte meine Mutter nach meinem Tod also das Saufen angefangen? War ja wohl kein Wunder. Bestimmt war sie total am Boden zerstört … Leider sah ich keinen milchverklebten Kochtopf. Dafür aber 2 benutzte Gläser, in denen noch ein Fingerbreit braune Flüssigkeit stand.

Okay … dann hatte sie eben Pablo aus lauter Mitleid einen Schnaps angeboten.

Ekelkeks hielt sich einen SERVIETTENRING an den Schritt und schien etwas abzumessen. Cimaron schlug ihm auf die Hand. »Leg das weg, das ist nicht dafür.«

Ekelkeks grinste. »Wäre sowieso zu klein für Long dong Silver gewesen …«

»Bitte erschießt mich. Jetzt!«, sagte ich, aber keiner tat mir den Gefallen.

»Schlafzimmer?«, fragte Ekelkeks und Cimaron zerrte mich in Richtung Wohnzimmer.

»Sieh du oben nach, wir nehmen uns die unteren Räume vor.« Er klang wie ein Cop, der die Räume nach einem potentiellen Mörder absuchte. Na ja, eigentlich passte das sogar ganz gut. Mir wurde schlecht, als mir bewusst wurde, dass Pablo vielleicht gar nicht aus dem Grund hier sein könnte, den ich zuerst vermutet hatte. Wenn er mich ermordet hatte, könnte er es als Nächstes vielleicht auf meine Mama abgesehen haben! Plötzlich konnte es mir nicht mehr schnell genug gehen. Ich stolperte in das menschenleere Wohnzimmer, hastete durch den Flur und versicherte mich selbst, als Ekelkeks aus dem Oberstock Entwarnung gab, dass er nicht gelogen hatte. Doch das Haus war leer. Wo sollten die beiden hingegangen sein?

Ein dumpfer Laut schreckte mich auf. Cimaron und Ekelkeks sahen sich an. »Garage«, knurrte Cimi und die beiden versuchten, sich an mir vorbeizudrängen, doch die Angst um meine Mutter ließ mich übermenschliche Kräfte entwickeln. Ich preschte durch die Verbindungstür in die Garage, ohne stolz darauf zu sein, nicht von der verschlossenen Tür abgebremst worden zu sein. Der uralte WOHNMOBILANHÄNGER, in dem meine Eltern schon ihre Flitterwochen verbracht hatten, versperrte mir die Sicht. Dann hörte ich das Stöhnen meiner Mutter, bei dem mir das Blut in den Adern stockte (okay, wahrscheinlich floss da keines mehr, aber es fühlte sich dramatisch so an).

Cimaron hielt mich am Arm zurück, doch ich riss mich los und umrundete die die Knutschkugel.

Unter dem Auto meiner Mutter ragten ein paar Männerbeine hervor. Davor stand meine Mutter. Offenbar hatte sie nicht wirklich vor Schmerzen gestöhnt, sondern weil ihr vermutlich kalt war in ihrem winzigen, durchsichtigen Negligé.

»Was zum Teufel macht dieser KLEBERSCHNÜFFLER hier?«, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

11 Kommentare

    • Danke, Carmen, für diese Challenge an meine grauen Zellen 😀 😀 😀 Ich lache gerade so! Wort Nr 2: Klangschalenmassage.

  1. Ich hab es leider erst jetzt geschafft nochmals alles zu lesen.
    Und es ist noch genauso wunderbar wie zu Beginn.
    Danke fürs hier hochladen <3

    Mein Wort ist … Zeitungsausschnitt

  2. Hallo Julia.
    Ich muss gestehen, durch bin ich zwar noch nicht mit allen Episoden, aber ich will ja das du weiter schreibst!
    Mein Wort wäre deshalb: Rentnerteich

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