Fluchtgefühl, Tempeltänzerin, Glatze, Konzeption, Chai Latte

Aus irgendeinem Grund bekam ich eine Gänsehaut, als ich ihren starren Blick bemerkte. Offenbar spürten sogar Cimarons Labradorlippen die aufgerichteten Härchen an meinem Nacken (wo er gerade herumsabberte), denn er drehte tatsächlich den Kopf.

»Es tut mir leid, Elfi …«, flüsterte Jen direkt in Cimarons rechtes Schulterblatt. 

Ich zappelte, bis Cimi mich endlich näher an sie herantrug. Nase an Nase verharrten meine ehemals beste Freundin und ich, wobei ich mich fragte, ob nur ich das dringende Bedürfnis verspürte, ganz schnell abzuhauen. Oder fühlte sie vielleicht einen kalten Hauch, eine Präsenz, eine magische Aufladung in der Luft und hatte ebenfalls FLUCHTGEDANKEN?

»Ha! War das ein Schuldgeständnis?«, brüllte ich in ihr unverschämt pickelfreies Gesicht. »Zeichne das auf, Agent 00.«

Cimarons Stirn runzelte sich. »Bin ich nun ein Diktaphon oder eine Latrine?«

»Beides. In mieser Qualität und stinkend.« Das Gefühl, das Jens Flüstern in mir ausgelöst hatte, ließ sich leider auch nicht durch Cimi-Beschimpfungen abschütteln. »Können wir da reingehen? Sie sieht echt …« Ich sagte es nicht, weil ich kein Mitleid mit meiner potentiellen Möderin und definitiv Betrügerin zeigen wollte, aber tatsächlich tat sie mir leid. Ihre wunderschönen hellblauen Augen standen voller Tränen, ihre Unterlippe zitterte leicht, hach, es war filmreif.

Cimaron musterte sie interessiert. Er reckte den Hals, um ihr besser in den Ausschnitt glotzen zu können. Puff. Adieu Mitleid. Und Hallo Eifersucht. »Wenn du alter Spanner dich kurz von ihren Möpsen losreißen könntest …«, zischte ich. 

Cimis Augen leuchteten auf »Sie hat Möpse? Ich liebe Hunde.« 

… Wer. hätte. das. gedacht?

»Ja. Sie hält sie zusammen mit einem indischen Hindu-TEMPELTÄNZER IN ihrem Folterkeller. (Anm. J.D.: Ja, man darf auch aus einer »Tänzerin« einen »Tänzer in«… machen 😉 Meine Story, meine Regeln) Freitag Abends dürfen Rhashid und die Möpse sie Ganzkörper-belecken, bevor sie ausgeht. Deshalb riecht sie auch immer ein wenig nach Mopsspeichel …«

»Uh…« Cimaron fuhr sich durch die Haare. »Aus dir spricht mal wieder die Eifersucht.« Er war so ein Lackaffe, ich stellte mir vor, wie attraktiv er mit einer GLATZE wäre und überlegte, wo ich auf die Schnelle an Tapetenkleister kam … »Aber deine Sorge ist unbegründet. Ich finde, du hast viel reizvollere Brüste.«

»Möpse«, warf ich ein.

»Ach, bist du ebenfalls Hundebesitzerin? Ihr wart wohl wirklich beste Freundinnen, ja?«

Ich winkte ab. »Da? Rein? Jetzt?« Und als er nicht reagierte, quetschte ich ein »Bitte?« hinterher.

Endlich schob er mich neben Jen – die sich ziemlich breitmachte – durchs Fenster und stellte mich auf ihrem weißen Flokati ab. Er selbst glitt durch die Wand. Auf meinen fragenden Blick hob er die Hände. »Ich wollte nicht riskieren, dass du stecken bleibst, weil du plötzlich das Vertrauen in deine Körperlosigkeit verlierst. Du bist noch ungeübt.«

»Ich bin ganz prima gerannt!«, beharrte ich und er ärgerte mich, weil er nicht einmal nickte. »Lass uns nach Indizien suchen.«

Kaum hatte ich Cimi den Rücken zugekehrt, schlug er auch schon Alarm. »Hab was!«

Mir blieb das Wort im Halse stecken, als ich erkannte, was da zwischen seinen Fingerspitzen baumelte. »Leg. Das. Weg!«

»Wieso? Benutzt ihr Sterblichen das nicht gegen die KONZEPTION? Ich wollte so etwas schon immer mal ausprobieren. Interessant, es fühlt sich dünn und irgendwie glitschig an …«

»Das liegt vermutlich daran, dass es benutzt ist. Und das ist absolut widerlich, Cimi, bitte leg es weg und … desinfiziere dir die Pfoten, oder noch besser: hack sie ab!«

Natürlich tat er nichts dergleichen. Er fasste mich sogar mit seinen kondomverseuchten Fingern an. »Du kannst beruhigt sein, deine Ehre ist gerettet.«

»Welche Ehre?«, brummte ich misstrauisch. 

»Na, Pawlow hat dein Schmuckkästchen zumindest nicht geknackt – ihres aber innerhalb kürzester Zeit. Oder glaubst du, die treiben das schon länger?«

Niedergeschlagen zuckte ich die Achseln. Wenn ich Cimi verriet, dass Pablo bisher nicht einmal versucht hatte, an mein … Schmuckkästchen heranzukommen, würde er es nur wieder als Bestätigung sehen, dass Jen heißer war, oder dass ich frigide war, oder dass er mir armen Jungfrau dringend helfen musste … »Ist mir eigentlich schon fast egal. Ich glaube, es würde mich nicht einmal mehr schockieren, wenn das schon Jahre ginge.«

»Aber –« Cimi zog die Nase kraus. »Warte, riechst du das auch?«

Ich schniefte. »Den Duft nach Verrat und Falschheit? Ja, riecht ziemlich faul.«

»Nein! Das ist ein Indiz, Elfi!« Schnüffel-Cimi war auf einmal ganz aufgeregt. »Es riecht nach … CHAI LATTE!«

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