5wft Episode 8: Rückkehr

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    Himmelbett, Wolkenkratzer, Gemüsesmoothie, Stopptanzen, Flöhe.

    »Du isst kein Schweinefleisch?« Ich konnte förmlich hören, wie er das Gesicht verzog, und schüttelte den Kopf.

    »Gar kein Fleisch.«

    »Hühnchen?«

    »Das ist auch Fleisch, Cimaron.«

    »Also Wurst?«

    »Nichtmal Fisch.«

    Es blieb einen langen Moment still in meinem Rücken. Dann wurde das Gewicht etwas leichter, sodass ich endlich freier durchatmen konnte.

    »Kein Wunder, dass du gestorben bist.«

    »Ich bin garantiert nicht gestorben, weil ich kein Fleisch esse.«

    Sein Gesicht näherte sich wieder meinem Ohr, bis seine kurzen Bartstoppeln über meine Wange kratzten. Ein absolut scheußliches Gefühl.

    »Ich gratuliere dir, Elfi.«

    »Wozu?« Krampfhaft unterdrückte ich den Drang, meine Wange an der Schulter abzuwischen. Wenn er nicht bald mit dem Gehauche aufhörte, konnte ich für nichts garantieren. Waren alle Engel so anstrengend? Wenn ja, würde ich hoffentlich nie wirklich sterben.

    »Du hast nicht nur endlich eingesehen, dass du tatsächlich gestorben bist und klammerst dich nicht mehr an dem Irrsinn fest, ich sei ein Traum …«

    »Ein Albtraum!«

    »Du hast auch meinen Namen gelernt. Ich bin stolz auf dich.«

    »Weißt du, worauf ich stolz bin? Auf meinen Schließmuskel. Nein, ehrlich! Jeder andere hätte längst gekotzt, aber ich –«

    »Ich weiß nicht, wie ich es dir begreiflich machen soll, dass das hier nicht so läuft.«

    »Wie läuft es denn normalerweise? Die Damen nehmen deine beknackte Rose an und steigen sofort mit dir ins HIMMELBETT, ähm … Himmelreich, meine ich?«

    »So ähnlich.«

    Ich versuchte mir einzureden, wie egal es mir war, dass er meinen absichtlichen Versprecher mit dem Bett nicht kommentierte. Leider störte es mich aber doch. Sehr. So sehr, dass ich mich echt zusammenreißen musste, keine total dämliche Frage zu stellen. Zum Beispiel wie viele Frauen er denn schon durch seine Laken gejagt hatte. So etwas fragte man nicht. Schon gleich keinen Lederhosen-Idioten, der einen ü-ber-haupt (!) nicht (!!) interessierte.

    »Elfi?«

    »Hm?«, brummte ich mürrisch.

    »Warum bist du von dem WOLKENKRATZER gesprungen?«

    »So ein Schwachsinn!«, rief ich. »Ich wäre nie … und selbst wenn ich mich hätte umbringen wollen, was nicht der Fall ist, hätte ich es doch cleverer angestellt!«

    »Wieso? Ist doch ziemlich sicher. Das überlebt keiner. Also ich denke mal, man kann einige Jahre lang versuchen, sich mit GEMÜSESMOOTHIES zu vergiften. So ein Hochhaussturz hingegen –«

    »Aber die Sauerei! Dafür bin ich zu reinlich. Ich möchte nicht, dass jemand mein Gehirn vom Gehsteig kratzen muss.«

    »Demnach hast du schon über die perfekte Art, Selbstmord zu begehen nachgedacht.« Die plötzliche Ruhe in seiner Stimme und das völlige Fehlen von Flirtvibrations machte mich sauer. Was wusste dieser Hobbypsychologe schon von mir?

    »Ich hab mich nicht umgebracht. Wenn ich tatsächlich durch einen Sturz vom Hochhaus gestorben bin, hat mich jemand geschubst. Noch ein Grund mehr zurückzugehen und herauszufinden, wer das war!«

    Jetzt rückte er endgültig von mir ab, doch anstatt erleichtert zu sein, empfand ich das Fehlen seiner Wärme in meinem Rücken als unangenehm. Ächzend richtete ich mich auf. »Das war ja wohl auch Zeit. Kann ich jetzt gehen?«, brummte ich.

    »Nein. Geh mit mir auf die zweite Ebene. Dort wird alles Irdische plötzlich nichtig.«

    »Gehirnwäsche?« Ich richtete mich auf und ging stur Richtung Tür. Es machte keinen Sinn zu rennen, er war sowieso schneller. Aber möglicherweise funktionierte die Mitleidsmasche. Oder es gelang mir, seine Neugier zu wecken, wer mich umgebracht hatte. Eigentlich glaubte ich ja nicht daran, wer sollte mich schon ermorden wollen? Ich war doch ein durchaus liebenswerter Mensch … also meistens … na ja … manchmal zumindest.

    »Stopp!«

    »Tut mir leid, Cimi, wir sind hier nicht beim STOPPTANZEN.« Stur ging ich weiter.

    »Hör zu.« Die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme zwang mich dazu, innezuhalten. »Ich verstehe, dass du meinst, nicht abgeschlossen zu haben, aber glaube mir, sobald wir weiterziehen, wird dich das alles nicht mehr interessieren.«

    »Dann muss ich erst recht zurück.« Ich legte die Hand auf den Türgriff. 

    Er schritt nicht ein, seufzte aber tief. »Es ist leichter, einen Sack FLÖHE zu hüten, als Dich auf die nächste Eben zu befördern.«

    »Tja, es gibt für alles ein erstes Mal.« Die Tür sprang auf, als ich den Schlüssel umdrehte und ich war so versunken in den Anblick meines Zimmers, dass ich zusammenzuckte, als Cimarons Oberarm meine Schulter streifte. Erschrocken blickte ich zu ihm auf.

    »Damit hast du wohl recht.«

    »Ähm … Cimaron, was machst du?«

    »Mit dir kommen, was sonst?«

    Anstelle einer (vermutlich dämlichen) Frage, zog ich die Augenbrauen hoch.

    »Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich dich einfach so alleine zurückgehen lasse. Wenn du schon unbedingt wieder in diese Welt musst, gehe ich als dein Beschützer mit.«

    »Traumhaft«, murrte ich und machte einen Schritt durch die Tür.

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