5wft Episode 13: Cyber-Steinzeit

Lachsalve, klatschnass, Bärenhöhle, Regenbogenflagge, Diskettenlaufwerk

Die Vorstellung, wie er mich mit seiner Brausebärchen-Zunge abschleckte, löste eine LACHSALVE bei mir aus. 

Cimaron runzelte die Brauen. »Du bist wirklich anders, als alle weiblichen Klienten, die ich bisher so hatte.«

Ich gluckste. »Liegt vermutlich daran, dass sich ‚weibliche Klienten‘ nach Gynäkologenstuhl anhört …«

»Mhhh…« Das irritierende Funkeln in seinen Augen tauchte erneut auf. »Hab ich noch nie ausprobiert.«

Nein. Ich würde nicht fragen. Niemals. »Was genau? Doktorspielchen?« Ach shit. Konsequenz war echt nicht meine Stärke. 

Sein Grinsen bestätigte, dass ich ihm eine Steilvorlage geliefert hatte. Doppel-shit. »Auch das nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden … falls das eher deiner Fantasie entspricht, als die romantischen 3 Ks.«

»Kacken, Kotzen, Katastrophe?«

Er schmunzelte. »Nicht ganz.« Cimaron beugte sich vor. »Kuchen …« Ach, wer hätte das vermutet? Raupe Nimmersatt war am Start. »Küssen …« Seine Lippen berührten hauchzart meinen Mundwinkel und ich schwöre, irgendwelche lebenswichtigen Funktionen stellten (aus lauter Schreck) den Dienst ein, sodass ich direkt in eine Totenstarre fiel. War das jetzt igendwie eklig, dass er eine brettharte Leiche küsste? Was, wenn die Leiche gerade ein zweites Mal an akutem Schmetterlingsmagen verstarb? Oh Gott, ich sollte dringend anfangen zu trinken. Wann, wenn nicht post mortem war der beste Moment, sich eine Alkoholleber zuzulegen? Das würde zumindest mein unangemessenes Verhalten rechtfertigen. 

»KLATSCHNASS …«, murmelten Cimarons Lippen gegen die weiche Haut hinter meinem Ohr.

»Was? Das soll romantisch sein? Dass du küsst wie ein Pawlow’scher Hund?«

Er kicherte gegen meinen Hals. »Du konditionierst mich eben. Ich denke an den Duft deiner Haut, die Weichheit deines Körpers, deinen trotzigen kleinen Mund …« Ab dem Zeitpunkt waren neunzig Prozent meiner Gehirnzellen abgestorben. Kein Wunder, ich atmete seit Minuten nicht mehr. Andererseits war ich offensichtlich tot und musste laut Cimaron bestimmt auch nicht mehr atmen. Doch war das dann nicht ein weiterer Grund, dass mein Gehirn nicht mehr funktionierte? Galt das als Ausrede? »Das regt meinen Speichelfluss an«, fuhr er ungehindert von meinen verstörenden Überlegungen fort.

»Ich bin also so etwas wie ein saftiges Stück Rentierkeule für den Neandertaler in dir?«, keuchte ich überzeugend angewidert. (Nicht … aber psst)

Seine Haare kitzelten mein Kinn, als er mein Schlüsselbein anknabberte. »Wenn du anfängst, Grunzlaute auszustoßen, packe ich meine Keule aus und schleppe dich in meine BÄRENHÖHLE.«

»Uhhh … das ist nun wirklich die Krönung an erotischen Vorstellungen.«

»Wieso, Steinzeitsex stelle ich mir wild und schmutzig vor. Und heiß.«

Eine kleine Gehirnzelle kämpfte tapfer gegen die Flut an Blödmach-Hormonen an. »Warum werde ich nur das Gefühl nicht los, dass du mich nur gefügig –« vögeln? Ähm … Mein Faden riss, weil er mich einfach auf den Mund küsste. Erdbeertörtchen, heiße … verdammt, verdammt heiße Schokolade, Blätterteig-Geilchen, Sahne-Tittchen … Lauter widerliches Zeug mischte sich mit dem Geschmack von Engelspucke auf meiner Zunge. Zum. Kotzen. Ja wirklich. Ich war so nah dran, dass ich kurz bewusstlos wurde. Anders war nicht zu erklären, dass ich mich quasi auf seinem Schoss befand. Rittlings. So eng an ihn gepresst, dass nicht einmal mehr Frischhaltefolie zwischen uns passte.

»Oh Baby … du willst mich so sehr, du kannst es ja kaum mehr erwarten, dass ich dich aus diesen Kleidern schäle und –« Sein siegessicheres Grinsen brachte mich zurück in die Wirklichkeit.

»Du spielst falsch.« Mein Finger stach auf seine Brust ein. »Hör gefälligst auf, mich ständig abzuknutschen. Das gilt nicht.«

Er zuckte mit den Achseln. »Du willst es.«

»Überhaupt nicht. Was ich will, ist, meinen Mörder zu finden.«

»Du behauptest also immer noch, kein bisschen von meinen Küssen beeindruckt zu sein?«

Ich nickte bekräftigend. »Du lässt mich so kalt wie eine Aufschnittplatte.«

Er lehnte sich etwas zurück und ich fühlte die plötzliche Distanz zwischen uns beinahe in körperlichem Schmerz. What the hell – 

Im nächsten Moment öffnete er die Knie und ich plumpste äußerst unelegant zwischen seinen Beinen auf den Boden. »Hisst du die REGENBOGENFLAGGE?«

»Wie bitte?«, zischte ich voll empörter Kränkung zu ihm hoch. »Du glaubst, bloß weil ich mich nicht sofort in ein willenloses, gehirnamputiertes Stöhn-Hasi verwandle, sobald du die Zunge ausfährst, bin ich vom anderen Ufer? Das passiert dir doch gewiss nicht zum ersten Mal in deiner Männerschlampen-Karriere, dass dich eine abblitzen lässt?«

Er spitzte die Lippen. »Ist noch nie vorgekommen, aber es gibt ja für alles ein erstes Mal. Nymphomaninnen, Sadistinnen, frigide Weiber …«

»Ich bin nicht frigide!«

Er grinste nur heimtückisch, was mich wahnsinnig machte. Wahn. Sinnig! Konnte man Engel eigentlich töten?

»Kein Grund, gleich ein Vorhängeschloss vor dein DISKETTENLAUFWERK zu hängen, Püppchen. Ich hack dich schon noch. In ein paar Stunden wirst du mich anflehen, meinen USB-Stick–«

»Ehrlich, Cybaron? Das ist deine Metapher? Und damit willst du … zum Datentransfer kommen?« Ich lachte gekünstelt auf und erhob mich. Stolz warf ich die Haare über die Schulter. »Na dann viel Erfolg beim Formatieren, Schatz, deine Software ist sowas von veraltet, ich glaub, dein ganzes Betriebssystem hat sich aufgehängt.«

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