Instagram, Birke, Wackeldackel, Sägespäne, Comic

Wäre ich nicht damit beschäftigt gewesen, nach Luft zu schnappen wie ein Karpfen an Land, hätte ich mich an seinem verwirrten Gesichtsausdruck geweidet. »Ähm … ich hab jetzt einfach Lust darauf. Ganz plötzlich.«

Es war frustrierend, wie schnell er sich wieder im Griff hatte – ganz im Gegensatz zu mir keuchendem Elend. Er zog die Augenbrauen hoch. »So? Warum? Wegen der Süße? Hast du auf einmal Lust, etwas Knackiges und zugleich Zartes zu knabbern und zu lecken?«

»Nein. Irgendwas hat mich daran erinnert, wie ich nach dem letzten Schokokuss-Wettessen ins Auto gespuckt habe.«

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»Du hast mich ganz schön intensiv zurückgeküsst, dafür, dass du an Kindergeburtstage und Erbrechen gedacht hast.«

Ich konnte nicht hochsehen. »Das war der Schock. Du hast mich ja quasi vergewaltigt!« Wütend strich ich mir eine nasse Haarsträhne aus den Augen. Er hatte verdammt noch mal recht, aber ich würde einen Teufel tun, das vor ihm zuzugeben, diesem arroganten –

»Darum musst du dich auch immer noch an mir festhalten? Weil du sonst im Schock umfällst?« Seine Stimme klang nach einem Schmunzeln.

Beschämt löste ich meine Finger aus seinem Hemd. »Ich … da war Wind … und … ich wusste nicht, ob ich als Geist vielleicht weggeweht werden würde …«

»Ah! Das macht Sinn. Wir sollten uns fortan von Bäumen fernhalten. Nicht auszudenken, wenn dich ein Windhauch in die Krone weht … Vorsicht!« Er riss mich an sich. Ich krachte gegen ihn, dass mir garantiert ein paar Rippen brachen. »BIRKE«, sagte er und das Schmunzeln in seinem Tonfall war zu einem ausgewachsenen Lachen geworden.

»Na, ich hätte zumindest gehofft, dass du Flügel hast, mit denen du mich da runterholen könntest …«, murmelte ich an seine Brust. Ich war sehr zwiegespalten in dieser Position. Einerseits konnte ich es kaum erwarten, endlich losgelassen zu werden, andererseits fühlte ich mich wirklich etwas schwach auf den Beinen und befürchtete, in eine Pfütze zu platschen, sobald er zurücktreten würde. Außerdem roch er nach frisch geschnittenem Holz und… hmm … war das …

»Sag mal, beschnüffelst du mich gerade?« Seine Brust bebte vor Lachen an meiner Wange.

»Ja. Tut mir leid, aber du stinkst wie ein Bär nach dem Winterschlaf.«

»Pheromone. Du bist wahnsinnig von mir angezogen. Mach dir nichts draus. Das sind sie alle.«

Ich schüttelte den Kopf wie ein WACKELDACKEL. Wie gelang es ihm, aus all meinen Beleidigungen ein Kompliment zu ziehen? »Am Arsch!«, schrie ich und stieß mich endlich ab.

»Wie bitte?« Ich hasste mich dafür, dass mir die Art, mit der er die Stirn runzelte, Herzklopfen verursachte.

»Du riechst wie ein winterverschlafener Bär am Arsch.« So. Würde wieder hergestellt.

»Interessant. Es würde mich ja brennend interessieren, woher du weißt, wie ein Bär dort riecht, aber ich befürchte, dieses Thema müssen wir später vertiefen. Von deinem dirty talk bekomme ich Hunger.« Sein Blick war eindeutig. Er hatte Hunger. Auf (tote? Ich war mir immer noch nicht sicher) durchnässte, unreife Mädchen. Und ich war drauf und dran, mich von ihm fressen zu lassen. Shit! Shit, shit, shit!

»Sag mal …«, setzte ich an, um mich von der Vorstellung, wie er mich anknabberte abzulenken, »jetzt mal ehrlich, was können Engel denn so?«

»Außer verdammt gut aussehen?«

»Das ist keine Fähigkeit«, konterte ich blitzschnell.

»Dann gibst du es zu?« Sein Grinsen war ekelhaft selbstgefällig.

»Es hilft alles nichts, wenn man dabei stinkt wie ein verwester Fisch.«

»Wo man hobelt, fallen SÄGESPÄNE.«

»Was soll das nun schon wieder heißen?«

Er zuckte mit den Achseln. »Nichts ist perfekt, Baby. Also fast nichts. Ich bin nah dran.«

»Nah dran an einem Tritt in die Weichteile, würde ich sagen.«

Er biss sich auf die Unterlippe. »Ich mag dich wild. Das bringt etwas Schwung in meinen Alltag.«

»Ja, das kann ich mir vorstellen. Die Omas, die du sonst so vernaschst, finden schunkeln ja auch schwungvoll.«

»Magst du schunkeln nicht?« Er schunkelte äußerst ungekonnt: Sein Unterleib federte leicht gegen meinen. 

Ich schluckte krampfhaft und zwang das blöde Gefühl in meinem Bauch nieder. »Es gehört zu den zehn Dingen, die ich hasse: Fleisch, Hitze, Romantik, schunkeln …«

»Küssen?«, fragte er, wobei seine Stimme eine Oktave tiefer rutschte. 

Klischeeeeeee! brüllte mein Unterbewusstsein und ich zwang mich zu einem eifrigen Nicken. »Das ist … das … Allerschlimm–«

Tja. Was soll ich sagen? Als er meine Beteuerungen, wie sehr ich Küssen (im Allgemeinen und ganz speziell mit ihm) hasste, gekonnt widerlegte, konnte ich von Glück sagen, nicht wie eine dieser COMIC-Figuren mit Herzchenaugen zehn Zentimeter über dem Boden zu fliegen. Verdammte Kacke!

2 KOMMENTARE

  1. Hach ja wie schön.. und zum schreien wie du es schaffst all diese skurrilen Worte unterzubringen 🤣 . Fühl dich gedrückt !

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